Lieber Markus!
Liebe Kollegen!
Nach längerer Zeit habe ich heute mal wieder eine Frage an Euch und würde mich sehr freuen, wenn Ihr sie mir beantworten könntet.
Ich benutze nun schon seit einiger Zeit ein VPN und das Tornetzwerk.
Die Methode Tor über VPN funktioniert einwandfrei. Nachdem ich im Netz gelesen habe, dass man für den Ansatz VPN über Tor Provider wie AirVPN oder BolehVPN bemühen müsste, habe ich mir so einige Gedanken gemacht und etwas ausprobiert.
Ich habe nämlich einfach den Whonix Gateway mit einer anderen virtuellen Linux Maschine gekoppelt und in dieser, in meinem Fall Linux Mint, openvpn Verbindungen mit dem TCP Protokoll, nicht UDP, meines VPN Anbieters im Netzwerkmanager hinzugefügt.
Das heißt, der komplette Internet Traffic meiner virtuellen Maschine läuft zunächst durch das Tornetzwerk über den Whonix Gateway. Surfe ich ohne mein VPN, stelle ich bei ipleak.net oder auch https://vpntester.org/meinedns/ fest, dass ich tatsächlich über das Tornetz surfe.
Schalte ich nun in meinem Linux Mint das VPN ein, zeigen mir ipleak.net und https://vpntester.org/meinedns/ nur die von mir aktivierten VPN Server an.
Gehe ich Recht in der Annahme, dass ich auf diese Art und Weise ein echtes VPN über Tor nutze, bei dem sowohl mein VPN Provider als auch der Exit Node im Tornetzwerk nicht mehr meinen Datenverkehr mitlesen können? Eigentlich dürfte meine IP so nur der Entry Node vom Tornetzwerk sehen und mein ISP, dass ich das Tornetzwerk benutze. Mein VPN Anbieter kann damit auch nicht mehr meine IP ermitteln.
Das wäre doch schön, oder?
Es wäre von Euch super nett, wenn Ihr mich bestätigen könntet oder mir aber meine Denkfehler aufzeigen könntet. Vielleicht könnte ich ja gerade so auch leichter gehackt werden. 
Danke für Ihre Bemühungen.
Liebe Grüße
T.
Hallo T., Dein Aufbau ist tatsächlich ein „VPN über Tor“, und Deine Annahmen stimmen im Kern:
- Dein Internetanbieter sieht nur, dass Du Tor nutzt.
- Der Tor-Eintrittsknoten sieht Deine IP, aber nur verschlüsselten Tor-Verkehr.
- Der Tor-Austrittsknoten sieht nur den verschlüsselten VPN-Tunnel – nicht, welche Seiten Du aufrufst.
- Der VPN-Anbieter sieht Deinen Klartext-Verkehr (soweit nicht TLS), kennt aber nur die IP des Austrittsknotens, nicht Deine.
- Die Webseiten sehen die VPN-IP.
Drei Punkte, die den Nutzen einschränken:
- Das VPN-Konto darf nicht auf Dich zeigen. Wenn Du es mit Kreditkarte oder PayPal bezahlt hast, ist die Anonymität gegenüber dem Anbieter nur technisch, nicht organisatorisch. Anbieter mit Bar- oder Monero-Zahlung (Mullvad) passen zu dem Aufbau.
- Der VPN-Anbieter wird zum einzigen Punkt, der alles sieht. Tor über VPN verteilt das Vertrauen auf mehrere Knoten; bei Deiner Variante bündelt es sich beim VPN. Für „Webseiten sollen meine Tor-Nutzung nicht sehen“ ist das der richtige Preis, für maximale Anonymität nicht.
- Stabilität. Tor wechselt die Schaltung regelmäßig, dann bricht der TCP-Tunnel zum VPN kurz ab und baut sich neu auf. Bei der Gelegenheit kann Whonix-Gateway-Traffic ohne VPN rausgehen – eine Kill-Switch-Regel in der Mint-VM (nur Verkehr über tun0 erlauben) verhindert das.
Leichter hackbar wirst Du dadurch nicht; die Angriffsfläche ist die VM-Umgebung, nicht die Tunnelreihenfolge. Was Du gebaut hast, ist genau das, was AirVPN und BolehVPN als Funktion verkaufen – nur selbst gemacht.